"Die Ganzheit des Lebens" aus "Der Flug des Adlers"

Die Ganzheit des Lebens

Können Sie irgendetwas beobachten – einen Baum, Ihre Frau, Ihren Nachbarn, den Politiker, den Priester, ein schönes Gesicht –, ohne dass sich der Geist bewegt?

Die Bilder Ihrer Frau, Ihres Mannes, Ihres Nachbarn, das Wissen um die Wolke oder das Vergnügen, all das mischt sich ein, nicht wahr?

Wenn es eine Einmischung gibt durch ein Bild irgendeiner Art, sei es subtil oder offensichtlich, dann gibt es kein reines Beobachten, kein wirkliches, vollständiges Gewahrsein, sondern nur eingeschränktes Gewahrsein.

Um klar zu sehen, darf sich kein Bild zwischen den Beobachter und das Beobachtete schieben.

Wenn Sie einen Baum betrachten, können Sie ihn ohne das botanische Wissen über diesen Baum oder das Wissen um Ihren Gefallen daran oder Ihre Ansprüche an ihn betrachten?

Können Sie ihn so vollständig betrachten, so dass der Raum zwischen Ihnen – dem Beobachter – und dem Baum verschwindet?

Das bedeutet nicht, dass Sie der Baum werden! 

Aber wenn dieser Raum verschwindet, verschwindet der Beobachter und es bleibt nur das, was beobachtet wird.

In dieser Beobachtung gibt es eine Wahrnehmung, das Vorhandene mit außerordentlicher Vitalität sieht, seine Farbe, seine Form, die Schönheit des Blattes, des Stamms. Wenn es kein Ich-Zentrum gibt, das beobachtet, dann ist man in engem Kontakt mit dem, was man sieht.

Es gibt eine Bewegung des Denkens, die Teil des Gehirns und des Geistes ist, die notwenig ist, wenn es eine Problemstellung gibt, die durch Denken beantwortet werden muss.

Aber um etwas Neues zu entdecken, etwas, das noch nie betrachtet wurde, braucht es diese intensive Aufmerksamkeit ohne jegliche Bewegung geben.

Das ist nichts Mysteriöses oder Okkultes, das man jahrelang üben muss – so etwas ist reiner Blödsinn. Es geschieht dann, wenn man zwischen zwei Gedanken schaut.

Wissen Sie, wie der Mensch den Düsenantrieb entdeckt hat?

Wie ist das passiert?

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