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Mechanische Gewohnheit

Mechanische Gewohnheit – Wir fragen jetzt, warum die Menschen so mechanisch geworden sind. Mechanische Gewohnheit schafft offensichtlich Unordnung, weil die Energie, die ständig in einer engen Abgrenzung wirkt, darum kämpft durchzubrechen, und das ist die Essenz des Konflikts. Verstehen Sie, was der Spiegel jetzt sagt? Nicht ich, es gibt hier keinen Sprecher. Können Sie mit Sorgfalt, Aufmerksamkeit, und einem Gefühl großer Zuneigung das beobachten, was Sie hören?


Bitte, wir befassen uns jetzt mit etwas, das vielleicht recht schwierig ist. Ich weiß nicht, wohin es uns führen wird. Es könnte etwas kompliziert werden, seien Sie also bitte aufmerksam.

Wissen Sie, wenn Sie ein kleines Kind haben, dann horchen Sie auf sein Weinen, hören seinen Worten, seinem Murmeln zu. Es interessiert Sie so, dass Sie hinhören. Vielleicht schlafen Sie gerade, aber wenn es schreit, wachen Sie auf. Sie passen so sehr auf, weil es Ihr Kind ist. Sie müssen für das Kind sorgen, es lieben, es im Arm halten. Sie sind so voll gespannter Wachsamkeit, dass es Sie aus dem Schlaf weckt. Können Sie nun mit der gleichen Aufmerksamkeit, Zuneigung, Sorgfalt, die Sie jeder Bewegung des Kindes schenken, in den Spiegel schauen, der Sie selber sind? Nicht ich bin darin, Sie hören nicht mir zu. Sie lauschen mit dieser so ungewöhnlich konzentrierten Zuneigung und Aufmerksamkeit in den Spiegel hinein, der Sie selber sind und hören auf das, was er Ihnen sagt. Werden Sie das machen?

Wir fragen jetzt, warum die Menschen so mechanisch geworden sind. Mechanische Gewohnheit schafft offensichtlich Unordnung, weil die Energie, die ständig in einer engen Abgrenzung wirkt, darum kämpft durchzubrechen, und das ist die Essenz des Konflikts. Verstehen Sie, was der Spiegel jetzt sagt? Nicht ich, es gibt hier keinen Sprecher. Können Sie mit Sorgfalt, Aufmerksamkeit, und einem Gefühl großer Zuneigung das beobachten, was Sie hören?

Wir sprechen jetzt über Unordnung

Wir sprechen jetzt über Unordnung. Wir leben in der Unordnung von Gewohnheiten, Schlußfolgerungen und Meinungen. Das ist die Schablone, nach der wir leben, die natürlich, da sie begrenzt ist, Unordnung hervorrufen muß. Wenn man nun in Unordnung lebt, ist es falsch, um Ordnung bemüht zu sein, weil der Geist, der verwirrt, der getrübt ist, in seiner Suche nach Ordnung auch verwirrt und unsicher sein wird. Das ist klar.

Wenn Sie stattdessen die Unordnung untersuchen, wenn Sie die Unordnung, in der Sie leben, und die Ursachen, die sie aufrechterhält, verstehen, stellt sich Ordnung durch dieses Verstehen ganz natürlich ein, und das geschieht leicht, glücklich, zwanglos und unkontrolliert. Der Spiegel sagt Ihnen, dass Sie die Ursachen des Verlaufs der Unordnung und ihre Entstehung sofort – nicht verbal, intellektuell oder emotional – in sich selber entdecken können, wenn Sie so aufmerksam sind, wie Sie einem kleinen, wehrlosen Kind gegenüber sein würden. Das bedeutet, dass man Einsicht in Unordnung bekommt.

Was ist die Wurzel der Unordnung? Es gibt viele Ursachen der Unordnung: Das Vergleichen, sich mit einem anderen vergleichen, sich damit vergleichen, was »sein sollte«, ein Vorbild, einen Heiligen nachahmen; sich anpassen, sich ausrichten nach etwas, vom den Sie denken, dass es jenseits dessen liegt, was ist. Es gibt einen fortwährenden Konflikt zwischen dem, »was ist« und dem, »was sein sollte«. Es wird die Eigenheit des Denkprozesses verglichen: Ich war so, oder ich war glücklich und eines Tages werde ich wieder glücklich sein. Dieses dauernde Abmessen zwischen dem, »was war« oder »was ist« und dem, »was sein sollte«, dieses unentwegte Bewerten schafft erst den Konflikt. Hier liegt einer der fundamentalen Gründe für Unordnung.

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Eine andere Ursache der Unordnung kommt aus der Vergangenheit. Ist nun die Liebe ein Vorgang, der mit der Zeit, dem Denken, der Erinnerung zu tun hat? Verstehen Sie die Frage, die Ihnen der Spiegel, in den Sie blicken, stellt? Schafft nicht das, was wir Liebe nennen, ganz besondere Unordnung in den menschlichen Beziehungen? Schauen Sie selber hin.

Was ist die Wurzel der Unordnung? Sie können die Ursachen sehen, und wir können weitere hinzufügen, doch das ist irrelevant. Analysieren Sie nicht, während Sie die Wurzel untersuchen. Schauen Sie nur. Wenn Sie schauen, ohne zu analysieren, stellt sich die Erkenntnis sofort ein. Wenn Sie sagen: »Ich werde es untersuchen, ich werde daraus folgern« oder sie von außen durch die Anführung von Beweisen und Folgerungen analysieren, so ist das immer noch ein Gedankenprozess. Indessen, wenn Sie mit Sorgfalt und tiefer Aufmerksamkeit beobachten können, in der sehr viel Zartheit und Zuneigung eingeschlossen sind, dann gewinnen Sie Einsicht. Beginnen Sie, entdecken Sie das.

Wo liegt die Wurzel unserer Unordnung – unser inneren Unordnung und deshalb auch der äußeren Unordnung? Sie können sehen, in was für einer schrecklichen Unordnung sich die Welt befindet, eine quälende Unordnung. Die Menschen bringen sich gegenseitig um, Dissidenten werden inhaftiert und gefoltert. Das tolerieren wir alles, weil unsere Köpfe die Dinge akzeptieren oder versuchen, hier und da ein wenig zu verändern. Wenn Sie die Wurzel der Unordnung erkennen wollen, müssen Sie fragen: Was ist unser Bewusstsein? Während Sie sich in diesem Spiegel betrachten, der nichts verzerrt – was ist Ihr Bewusstsein? Es könnte die Essenz der Unordnung sein. Wir müssen zusammen untersuchen, was unser Bewusstsein ist.

Bewusstsein

Unser Bewusstsein ist etwas Lebendiges, etwas, das in Bewegung ist, es ist aktiv, nichts Statisches, sondern es verändert sich innerhalb einer engen, beschränkten Grenze. Es gleicht einem Menschen, der denkt, das er sich verändert, wenn er sich in einer Ecke ein wenig wandelt, aber den übrigen Bereich nicht umwandelt. Wir müssen das Wesen und den Aufbau des Bewusstseins verstehen. Wir tun das, um zu entdecken, ob das die Wurzel der Unordnung ist. Vielleicht ist es nicht so. Wir werden das herausfinden. Was ist unser Bewusstsein? Besteht es nicht aus allem, was Gedanken zusammengefügt haben: der Form, dem Körper, dem Namen, den Sinnen, mit denen sich das Denken identifiziert, dem Glauben, den Schmerzen, den Qualen, den Todesängsten, den Beschwerden, den Depressionen und den Seligkeiten, den Eifersüchten, den Sorgen, den Ängsten, dem Vergnügen, mein Land und dein Land, dem Glauben an Gott und keinem Glauben an Gott.

Man sagt, Jesus ist der Bedeutendste, Krishna ist viel bedeutender und so geht es immer weiter. Zeichnet nicht das alles Ihr Bewusstsein auf? Sie können noch mehr hinzufügen: Ich bin dunkelhäutig; ich wünschte, ich hätte eine hellere Haut; ich bin schwarz, aber schwarz ist schön und so weiter. Die Vergangenheit, das Erbe, die Mythologie, die ganze Tradition der Menschheit basiert im Wesentlichen darauf. Das alles ist der Inhalt, und solange man des Bewusstseinsinhalts nicht gewahr ist, aber handelt, muß diese Handlung beschränkt sein und deshalb zu Unordnung führen. Bis nicht das Denken seinen rechten Platz gefunden hat, muß es in seiner Bewegung Unordnung schaffen. Wissen hat seine Grenzen und muß daher seinen angemessenen Platz erhalten. Das ist klar.

Denken

Das Denken, das aus zehntausend Millionen Gestern geboren wurde, ist begrenzt, und deshalb ist der Inhalt unseres Bewusstseins begrenzt. Wenn dieses Bewusstsein auch behauptet, dass es nicht begrenzt sei oder es ein höheres Bewusstsein gäbe, so ist es immer noch eine Form des Bewusstseins. Somit ist das Denken, das seinen rechten Platz noch nicht erkannt hat, die Essenz der Unordnung.

Das ist nichts Romantisches, Vages oder Unsinniges. Sie können selber sehen, wenn Sie logisch, gesund, klar sind, dass das Denken, da es begrenzt ist, Unordnung schaffen muß. Ein Mensch, der sagt, »ich bin ein Jude« oder »ich bin ein Araber« ist begrenzt und schließt sich daher ab, leistet Widerstand, darum gibt es Kriege und das ganze Elend. Sehen Sie nun diese Tatsache wirklich? Nicht als Idee, nicht wie etwas, das Ihnen jemand erzählt, sondern sehen Sie sie es so, wie Sie das Schreien des Babys hören? Dann handeln Sie, dann stehen Sie auf.

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Ein Teil unserer mechanischen Lebensweise wird aus diesem begrenzten Bewusstsein geboren. Kann man es unterlassen, das Bewusstsein zu erweitern, auszudehnen, kann man darauf verzichten, noch mehr Wissen und Erfahrungen hinzuzufügen, sich von einer Ecke in die andere zu bewegen? Es gibt Schulen, die durch Übungen, Disziplin und Kontrolle versuchen, das Bewusstsein zu erweitern.

Wenn Sie dies versuchen, so finden Sie eine innere Maßeinheit. Wenn Sie irgend etwas erweitern wollen, ein Haus mit einem kleinen in eines mit einem größeren Grundriss so gibt es einen Mittelpunkt, von dem aus Sie vergrößern. Auf ähnliche Weise gibt es ein Zentrum, aus dem heraus Sie sich erweitern, und das bedeutet abmessen. Schauen Sie sich an. Versuchen Sie nicht, Ihr Bewusstsein zu erweitern? Vielleicht benutzen Sie nicht dieses Wort. Vielleicht sagen Sie: »Nun, ich versuche mich zu bessern«, » Ich versuche, mehr zu diesem oder jenem zu werden oder etwas zu erreichen. « Solange es ein Zentrum gibt, aus dem heraus Sie handeln, muß es Unordnung geben.

Dann entsteht das Problem: Kann man auf natürliche und leichte Weise handeln und leben, und ist dieses möglich ohne ein Zentrum, ohne den Bewusstseinsinhalt? Wir stellen jetzt fundamentale Fragen. Vielleicht sind Sie daran nicht gewöhnt. Die meisten von uns stellen Fragen eher lässig oder indifferent und machen weiter. Aber wir stellen jetzt Fragen, die Sie beantworten, mit denen Sie sich befassen müssen, um die Antwort für sich selber zu finden: Kann man ohne das Zentrum handeln, seinen Alltag leben? Das Zentrum ist die Essenz der Unordnung. Wenn Sie in Ihrer Beziehung zu einem anderen, wie intim sie auch sein mag, immer nur an sich selber interessiert sind, Ihren Ehrgeiz, Ihre Persönlichkeit, Ihre Schönheit, Ihre Gewohnheiten im Auge haben und der andere dasselbe tut, kommt es ganz natürlich zum Konflikt und das ist Unordnung.

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Ist es möglich, nicht aus dem Zentrum heraus zu agieren, aus dem Zentrum, das dieses Bewusstsein mit seinem Inhalt ist, mit all den Dingen, die das Denken zusammengefügt hat, mit seinen Sinneswahrnehmungen, mit seinen Begierden, mit seinen Ängsten und all dem anderen? Was wäre das für eine Handlung, in der es keinen Widerspruch gäbe, kein Bedauern, keine Belohnung und keine Strafe und die aus diesem Grund eine ganzheitliche Handlung wäre? Wir werden das entdecken. Es ist nicht so, dass ich es entdecke und Ihnen sagen werde, sondern wir werden es gemeinsam entdecken und daran denken, dass es hier keinen Sprecher gibt, sondern nur einen Spiegel, in den Sie schauen.

Um das zu verstehen, müssen wir die Frage angehen, was Liebe ist. Denn wenn wir die Wahrheit entdecken können, was Liebe ist, könnte das dazu führen, dass das Zentrum ganz aufgelöst wird und eine holistische Handlungsweise entsteht. Also müssen wir uns damit sehr sorgfältig befassen – falls Sie gewillt sind zuzuhören.

Sie haben Ihre Meinungen über die Liebe. Sie haben Ihre Schlussfolgerungen über die Liebe. Sie behaupten, dass es keine Liebe ohne Eifersucht gibt, dass es Liebe nur in Verbindung mit Sex gibt, dass Liebe nur dann wirklich ist, wenn Sie alle Ihre Nachbarn lieben oder die Tiere. Sie haben ein Konzept eine Idee oder Vorstellung in Bezug auf die Liebe. Wenn das so ist, können Sie unmöglich forschen. Wenn Sie sagen: »Das ist so«, ist das schon das Ende. Das ähnelt einem dieser Gurus, die behaupten: »Ich weiß, ich habe die Erleuchtung erlangt«, und Sie folgen ihm, weil Sie leichtgläubig sind. Sie zweifeln ihn niemals an.

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Hier gibt es keine Autorität, es gibt keinen Sprecher. Doch stellen wir eine sehr ernste Frage, die vielleicht den Konflikt löst, den andauernden Kampf zwischen einem selber und einem anderen beendet. Wenn wir das entdecken wollen, müssen wir sehr tief in die Frage eindringen, was Liebe ist. Wir sprechen jetzt darüber, was die Menschen Liebe nennen: Die Liebe zu ihren Tieren, ihren Lieblingen, die Liebe zu ihrem Garten, die Liebe zu ihrem Haus, die Liebe zu ihren Möbeln, die Liebe zu ihrem Mädchen oder ihrem Jungen, die Liebe zu Ihren Göttern, die Liebe zu ihrem Land – dieses Etwas, Liebe genannt, das so beladen ist, auf dem so herumgetreten wird. Wir werden entdecken, was das ist.

Das Baby schreit, hören Sie also bitte zu. Sie wissen, wenn das Baby schreit, hören Sie ganz genau hin. Es gibt eine Kunst des Zuhörens. Das Wort Kunst bedeutet, alles an seinen rechten Platz zu legen. Wenn Sie die Bedeutung dieses Wortes verstehen, dann ist die wahre Kunst nicht die, Bilder zu malen, sondern jene, Ihr Leben an seinen rechten Platz zu bringen, was bedeutet, dass Sie harmonisch leben. Wenn Sie in sich selber alles an seinen rechten Platz gerückt haben, sind Sie frei. Es ist Teil der Intelligenz, alles an seinen rechten Platz zu rücken. Sie werden sagen, wir geben hier dem Wort Intelligenz eine neue Bedeutung. Das muß man. Intelligenz bedingt, dass man zwischen den Zeilen, zwischen den Worten liest, dass man im Stillschweigen und im Sprechen mit einem Geist lauscht, der immer bereit ist zuzuhören. Sie hören nicht nur mit dem Gehör, sondern auch ohne Gehör.

Schönheit

Wir fragen jetzt: Was ist die Bedeutung und die Schönheit der Liebe – falls sie schön ist. Haben Sie schon einmal überlegt, was Schönheit ist? Was heißt Schönheit? Ist sie mit Verlangen gekoppelt? Streiten Sie es nicht ab, sehen Sie hin, hören Sie gut zu, und entdecken Sie es. Ist Schönheit ein Teil des Verlangens? Ist Schönheit Teil der Sinne? Sie sehen ein wunderbares Bauwerk, den Parthenon oder eine der Kathedralen, herrliche Bauten. Ihre Sinne erwachen durch die Schönheit des Geschauten. Ist also Schönheit ein Teil davon?

Liegt die Schönheit in der Farbe, der Form, in den Knochen des Gesichts, in der Klarheit der Augen, der Haut und der Haare, im Ausdruck einer Frau oder eines Mannes? Oder gibt es eine andere Eigenschaft der Schönheit, die vielleicht diese ganze Schönheit transzendiert? Und wenn diese Teil des Lebens ist, dann sind die Form, das Gesicht, dann ist alles an seinem rechten Platz? Wenn man das nicht begreift, wenn man das nicht versteht, wird das Äußere allein ausschlaggebend. Wir werden entdecken, was diese Schönheit ist, falls es Sie interessiert.

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Wissen Sie, wenn Sie so etwas wie diesen herrlichen Berg vor dem blauen Himmel und den leuchtenden, hellen, klaren, reinen Schnee sehen, dann treibt diese Erhabenheit alle Ihre Gedanken, Ihre Sorgen, Ihre Probleme fort. Haben Sie das bemerkt? Sie sagen: »Wie schön ist das« – und vielleicht zwei Sekunden lang oder eine Minute lang sind Sie absolut still. Das Großartige schiebt unsere Geringfügigkeit für diese Sekunde beiseite. Also hat uns das Erhabene überwältigt. Wie ein Kind, das mit einem kniffligen Spielzeug eine Stunde lang beschäftigt ist; es redet nicht, es macht kein Geräusch, es ist vollkommen davon gefesselt. Das Spielzeug hat das Kind in Beschlag genommen.

Genauso fesselt Sie der Berg, und deshalb sind Sie für diese Sekunde oder Minute ganz still, und das heißt, dass das Selbst abwesend ist. Wenn das Ich ganz abwesend ist, ohne von irgend etwas – einem Spielzeug, einem Berg, einem Gesicht oder einer Idee – abgelenkt zu werden, dann enthüllt sich das Wesen der Schönheit.

Wir werden entdecken, was Liebe ist. Wenn uns das gelingt, könnte sich unser Leben ganz verändern, wir könnten konfliktlos leben, ohne Kontrolle, ohne irgendeine Form von Bemühung. Wir werden das entdecken.

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Außer einer Handlung, die als positiv angesehen wird, gibt es noch eine Handlung, die gar keine Handlung ist. Eine Handlung, die als positiv angesehen wird, ist die, die in Verbindung mit etwas anderem steht: Man kontrolliert, unterdrückt, strengt sich an, dominiert, vermeidet, erklärt, argumentiert und analysiert. Wir stellen jetzt fest, dass es eine Nicht-Handlung gibt, die in keiner Beziehung zur positiven Handlung steht und nicht ihr Gegenteil ist. Diese Nicht-Handlung wäre reines Beobachten, ohne zu handeln. Dann ruft gerade diese Beobachtung eine radikale Transformation in dem hervor, das beobachtet wird, und das ist Nicht-Handlung. Wir sind so an die positive Handlung gewöhnt: » Ich muß«, »ich muß nicht«, »das ist recht«, »das ist falsch«, »das ist korrekt«, »das sollte so sein«, »das darf nicht sein«, » ich muss das unterdrücken«, »ich muß das beherrschen«, – das ist alles der Kampf mit dem Ich, welches das Wesen der Unordnung, das Wesen des Konflikts ist.

Wenn Sie das wirklich erkennen, nicht nur verbal, intellektuell oder vorstellungsmässig sehen, sondern wirklich die Wahrheit darin erkennen, dann kommt es zur Nicht-Handlung, bei der es keine Bemühung gibt. Es ist die reine Beobachtung, die das verwandelt, was beobachtet wird.

Liebe

Wir fragen: Was ist Liebe? Wir haben festgestellt, dass wir viele Meinungen darüber haben, Meinungen von Spezialisten, Meinungen von Gurus, Meinungen von Priestern. Ihre Frau oder Ihr Mädchen sagen: »Das ist Liebe« oder Sie sagen: »Das ist Liebe« oder Sie sagen, dass es mit Sex zu tun hat und so weiter. Ist es so? Hat Liebe mit den Sinnen zu tun? Das Verlangen entsteht durch die Sinne. Offensichtlich ist Verlangen ein sinnlicher Vorgang. Ich sehe etwas Schönes, das weckt die Sinne, ich will es. Sehen Sie selbst. Wir behaupten: Wenn alle Sinne gleichzeitig in Aktion sind, nicht ein einzelner allein, dann gibt es kein Verlangen. Denken Sie darüber nach.

Ist Liebe ein sinnlicher Vorgang mit Verlangen? Um es anders auszudrücken: Ist Liebe Verlangen? Die Sinne sind sexuell dauernd in Aktion: in der Erinnerung, den Bilden, den Vorstellungen und den Sinneswahrnehmungen. Dieser Vorgang wird als Liebe angesehen. Die Liebe, soweit man das beobachten kann, ist ein Teil des Begehrens. Aber Langsam. Wir denken darüber nach. Ist Liebe Anhaften? Ich bin an mein Mädchen oder meinen Jungen gebunden. Ich besitze. Ist diese Bindung Liebe? Unser ganzes Leben gründet auf Bindungen.

Man ist an Besitz gebunden, an eine Person gebunden, an einen Glauben gebunden, einem Dogma, Christus, Buddha verbunden. Ist das Liebe? Im Anhaften liegt Schmerz, Angst, Eifersucht und Besorgnis. Kann da die Liebe sein? Wenn Sie das beobachten und sich zutiefst und intensiv damit beschäftigen, um herauszufinden, was Liebe ist, dann wird Bindung unwichtig, hat keinen Wert, weil man sieht, dass Bindung keine Liebe ist. Sie ist auch nicht Verlangen, und sie ist nicht Erinnerung. Sie ist nicht Bindung. Es ist nicht so, dass ich Ihnen das erzähle und Sie es akzeptieren. Es ist so.

Ist Liebe Vergnügen?

Ist Liebe Vergnügen? Das heißt nicht, dass Sie nicht die Hand eines anderen halten können. Sehen Sie, Begehren ist die Folge von Sinneswahrnehmung, die Sinneswahrnehmung ist ans Denken gebunden, und das Denken ist an die Sinneswahrnehmung gebunden, und aus dieser Sinneswahrnehmung entspringt das Verlangen, und dieses Verlangen will sich erfüllen, und das nennen wir Liebe. Ist das Liebe? Ist Bindung Liebe? In der Bindung gibt es Konflikte und Ungewissheit, und je mehr Ungewissheit da ist, desto größer ist die Angst vor Einsamkeit, desto mehr verwickeln Sie sich, besitzen Sie, dominieren, suchen Bestätigung, fordern Sie, und so kommt es zum Konflikt in der Beziehung. Und Sie denken, dass dieser Konflikt ein Teil der Liebe ist. Wir fragen jetzt: Ist das Liebe?

Ist Vergnügen Liebe?

Ist Vergnügen Liebe? Vergnügen ist ein Erinnerungsvorgang. Behalten Sie den Satz nicht im Gedächtnis, hören Sie nur zu. Ich erinnere mich daran, wie nett und angenehm Du warst, wie zart, wie tröstlich, wie sexy, und ich sage: »Liebling, ich liebe Dich. Ist das Liebe? Aber sollte man auf Vergnügen verzichten? Diese Fragen müssen Sie stellen. Sie müssen fragen und herausfinden. Bereitet es Ihnen kein Vergnügen, ins Wasser des Flusses zu schauen? Was ist mit diesem Vergnügen nicht in Ordnung?

Bereitet es Ihnen kein Vergnügen, einen einsamen Baum auf dem Feld anzuschauen? Bereitet es Ihnen kein Vergnügen, den Mond über den Bergen anzuschauen, den Sie vielleicht letzte Nacht gesehen haben? Das war eine große Freude, nicht wahr? Was ist daran nicht in Ordnung? Aber schwierig wird es erst, wenn der Verstand sagt: »Wie schön ist das, das muß ich festhalten, ich muß mich daran erinnern, ich muß es anbeten, hoffentlich bekomme ich mehr davon.« Dann kommt der ganze Vergnügungsprozess in Gang; und dieses Vergnügen bezeichnen wir als Liebe.

Die Mutter mit ihrem Baby ist voller zärtlicher Zuneigung, dem Gefühl des Geborgenhaltens. Ist das Liebe? Oder ist diese Liebe Teil Ihres Erbes? Haben Sie die Affen gesehen, wie sie ihre Babys halten? Oder den Elefanten, der sich unendlich um sein Junges sorgt? Es kann sein, dass wir diese instinktive Reaktion auf ein Baby ererbt haben – und dann »das ist mein Baby, es hat mein Blut, meine Knochen, mein Fleisch, ich liebe es«. Und wenn Sie Ihr Baby wirklich so sehr lieben, dann werden Sie darauf achten, dass es richtig erzogen wird, Sie werden darauf achten, dass es niemals gewaltsam wird, dass es niemals getötet wird oder einen anderen tötet. Sie sorgen sich nicht bloß um dieses kleine Baby, bis es fünf oder sechs ist und werfen es dann den Wölfen vor.

Ist das alles Liebe?

Ist das alles Liebe? Nun, die positive Handlung besteht darin zu sagen: » Ich will keinen Sex mehr, ich will mich freimachen von Bindung, ich will ständig gegen das Verhaftetsein arbeiten. Während es die negative Handlung darin besteht, das Ganze zu sehen und dadurch Einsicht zu erlangen. Dann werden Sie erkennen, dass Liebe nichts von alledem ist. Aber weil es Liebe gibt, wandelt sich alle Beziehung durch diese Liebe. Sie wissen doch, dass die Asketen, die Sannyasis in Indien, die Mönche in Europa und in aller Welt gesagt haben: »Kein Begehren, kein Sex, schaut keine schöne Frau an.«

Wenn Sie es doch tun, denken Sie, es wäre Ihre Schwester oder Ihre Mutter. Oder wenn Sie doch hinschauen, konzentrieren Sie sich auf das Göttliche. Aber sie brennen innerlich. Nach außen hin verleugnen sie das, aber inwendig brennen sie; und das nennen sie ein frommes Leben, was bedeutet, dass sie ohne Liebe sind. Sie haben eine Vorstellung von dem, was Liebe ist. Aber die Vorstellung ist nicht Liebe. Die Vorstellung, das Wort, ist nicht Liebe. Aber erst wenn Sie den ganzen Vorgang von Begehren, Bindung und Vergnügen erkannt haben, dann entsteht aus der Tiefe der Wahrnehmung diese seltsame Blume mit ihrem ungewöhnlichen Duft. Das ist Liebe.

Über die Liebe, Saanen, 18. Juli 1978

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