Einfach Leben

Seien sie sich bewusst, dass man in verschiedener Weise gewaltsam ist – sexuell, im Denken, im Handeln. Leben Sie damit und verstehen Sie es ganz. Das werden Sie nur fertigbringen, wenn Sie zu keiner Ideologie; zu keinem Gegensatz Zuflucht nehmen. Wenn es keinen Gegensatz gibt, woher wissen Sie dann, dass Sie gewalttätig sind? Ist das nicht eine Fn!ge, die sich einem natürlich stellt? Nein? Woher weiß ich, dass ich gewalttätig bin, wenn mir das Prinzip der Gewaltlosigkeit nicht anerzogen wäre? Ist Gewalt ein Denkprinzip oder eine Tatsache?

Ist Gewalt ein Wort, ein Begriff oder eine Wirklichkeit? Wenn ich mich ärgere, ist das Wort »Ärger« nicht nur das Gefühl selbst. Ist das Gefühl ein Begriff, ein Ideal? Sicherlich nicht; es ist, »was ist«. Kann ich, kann der Geist diesen Zustand der Gewalt betrachten, ohne sich in sein Gegenteil zu flüchten; kann er mit ihr leben und sie ganz verstehen? Das heißt, dass der Beobachter sich vom Gegenstand der Beobachtung nicht unterscheidet, wie es der Denkende tut, wenn er sagt: »Ich ärgere mich«.

Solange es diese Spaltung gibt zwischen dem Denkenden und dem Gedachten, dem Erfahrenden und der Erfahrung, dem Beobachter und dem Beobachteten und so fort, muss es Dualität geben. Den Konflikt ganz, restlos aufzuheben heißt, mit sich selbst vollkommen im Frieden leben und daher auch äußerlich friedlich sein. Das ist nur möglich, wenn es keine Gegensätze, keine Vergleiche gibt, wenn man sich dessen, »was ist«, aktiv bewusst ist und die Spaltung zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten entfällt.

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