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Handeln ist Beziehung 2

Handeln ist Beziehung 2 – Unser Problem ist also das Handeln, das Verstehen und das Glück. Es gibt keine Grundlage für wahres Denken, wenn wir uns selbst nicht kennen. Ohne mich selbst zu kennen, habe ich keine Grundlage für mein Denken – ich kann nur in einem Zustand des Widerspruchs leben, wie die meisten von uns. Um die Welt, die Welt meiner Beziehungen zu verändern, muss ich bei mir selbst anfangen. Du magst sagen: „Um die Welt auf diese Weise zu verändern, braucht man unendlich viel Zeit.“ Wenn wir sofortige Ergebnisse wollen, denken wir natürlich, dass es zu lange dauert.

Sofortige Ergebnisse werden von den Politikern versprochen, aber ich fürchte, für den Menschen, der die Wahrheit sucht, gibt es keine sofortigen Ergebnisse. Es ist die Wahrheit, die verwandelt, nicht das unmittelbare Handeln. Nur die Entdeckung der Wahrheit durch jeden Einzelnen kann Glück und Frieden in die Welt bringen.

In der Welt zu leben und doch nicht von der Welt zu sein, das ist unser Problem. Wir müssen uns ernsthaft darum bemühen, denn wir können uns nicht zurückziehen, wir können nicht aufgeben, aber wir müssen uns selbst verstehen.

Sich selbst zu verstehen ist der Beginn der Weisheit. Sich selbst zu verstehen bedeutet, die eigene Beziehung zu Dingen, Menschen und Ideen zu verstehen. Solange wir nicht die volle Bedeutung und den Sinn unserer Beziehung zu Dingen, Menschen und Ideen verstehen, führt das Handeln, das auf Beziehung beruht, unweigerlich zu Konflikten und Streit. Ein Mensch, der es wirklich ernst meint, muss also bei sich selbst anfangen, er muss sich all seiner Gedanken, Gefühle und Handlungen bewusst werden. Auch dies ist keine Frage der Zeit. Es gibt kein Ende der Selbsterkenntnis. Selbsterkenntnis gibt es nur von Augenblick zu Augenblick, und dementsprechend gibt es ein kreatives Glück von Augenblick zu Augenblick.

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Da wir uns also alle nach rechtem Handeln, Frieden und Glück sehnen, können diese Dinge nur durch das Verstehen unserer eigenen komplexen Natur erreicht werden. Dieses Verständnis ist nicht sehr schwierig, aber es erfordert eine gewisse Ernsthaftigkeit, eine gewisse Flexibilität des Geistes. Wenn wir uns unserer Rede, unserer Gedanken und unserer Gefühle ständig und passiv bewusst sind, ohne sie zu verurteilen oder zu rechtfertigen, dann führt genau dieses Gewahrsein zu seiner eigenen Handlung und damit zu seiner eigenen Transformation – die nicht das Ergebnis unserer Bemühungen ist, uns selbst zu transformieren. Aber damit diese Wahrheit sein kann, muss eine Empfänglichkeit vorhanden sein, in der es kein Verlangen, keine Angst, kein Begehren gibt; und diese kann nur entstehen, wenn es ein passives Gewahrsein gibt.

Über all diese Dinge werden wir in den nächsten Wochen sprechen, aber jetzt möchte ich einige Fragen beantworten. Um eine richtige Antwort zu bekommen, muss die Frage richtig sein. Jeder kann eine Frage stellen. Aber um die Antwort auf eine Frage zu finden, müssen wir das Problem selbst untersuchen und nicht die Antwort. Denn die Antwort ist im Problem enthalten. Es ist eine Kunst, ein Problem zu untersuchen und es zu verstehen.

Wenn ich mich also mit euren Fragen beschäftige, erwartet bitte keine Antwort, denn wir werden das Problem gemeinsam durchdenken und die Antwort im Problem selber finden. Aber wenn ihr nur auf eine Antwort wartet, fürchte ich, werdet ihr enttäuscht sein. Im Leben gibt es kein kategorisches „Ja“ oder „Nein“, auch wenn wir uns das wünschen mögen. Das Leben ist viel komplexer, viel subtiler. Um die Antwort zu finden, müssen wir das Problem studieren, das heißt, wir müssen die Geduld und die Intelligenz haben, uns damit zu beschäftigen.

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Frage: Welchen Platz hat die organisierte Religion in der modernen Gesellschaft?
Krishnamurti: Lasst uns herausfinden, was wir unter Religion und unter moderner Gesellschaft verstehen. Was verstehen wir unter Religion? Zur Religion gehören eine Reihe von Überzeugungen, Ritualen, Dogmen, viel Aberglauben, Zeremonien, das Wiederholen von Worten, vage, unerfüllte, frustrierte Hoffnungen, das Lesen bestimmter Bücher, das Folgen von Gurus, der gelegentliche Besuch eines Tempels und so weiter.

Sicherlich ist all das für die meisten Leute Religion. Aber ist das Religion? Ist Religion ein Brauch, eine Gewohnheit, eine Tradition? Religion ist doch etwas, das weit über all das hinausgeht, nicht wahr? Religion bedeutet die Suche nach der Wirklichkeit, die nichts mit dem institutionalisierten Glauben, mit Tempeln, Dogmen oder Ritualen zu tun hat. Und doch ist unser Denken, die Struktur unseres Seins, in Glaubensvorstellungen, Aberglauben usw. verstrickt und gefangen.

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Der moderne Mensch ist also offensichtlich nicht religiös, und deshalb ist seine Gesellschaft auch nicht gesund und ausgeglichen. Wir können bestimmten Lehren folgen, bestimmte Bilder verehren oder eine neue Staatsreligion schaffen, aber all das ist natürlich keine Religion. Ich habe gesagt, dass Religion die Suche nach der Wirklichkeit ist, aber diese Wirklichkeit ist unbekannt, sie ist nicht die Wirklichkeit der Bücher und nicht die Erfahrung der anderen. Um diese Wirklichkeit zu finden, sie aufzudecken, sie einzuladen, muss das Bekannte aufgegeben werden. Man muss die Bedeutung aller Traditionen und Glaubensvorstellungen untersuchen, verstehen und über Bord werfen. Die Wiederholung von Ritualen hat dabei keinen Platz. Ein Mensch, der religiös ist, gehört also offensichtlich keiner Religion, keiner Organisation an; er ist weder Hindu noch Muslim, er gehört zu keiner Gruppe.

Was ist nun die moderne Welt? Die moderne Welt besteht aus Technik und Effizienz in Massenorganisationen. Es gibt außerordentlichen Fortschritte in der Technologie und eine mangelhafte Verteilung der Bedüfrnisse der Allgemeinheit. Die Produktionsmittel sind in den Händen einiger weniger, es gibt konkurrierende Nationalitäten, ständig wiederkehrende Kriege zwischen souveräner Regierungen und so weiter. Das ist die moderne Welt, nicht wahr?

Es gibt technischen Fortschritt ohne gleichwertigen psychologischen Fortschritt. Es besteht ein grosses Ungleichgewicht. Außergewöhnliche wissenschaftliche Errungenschaften existieren gleichzeitig mit menschlichem Elend, leeren Herzen und leeren Köpfen. Viele der Techniken, die wir uns angeeignet haben, werden dazu benutzt, Flugzeuge zu bauen, einander umzubringen und so weiter. Das ist die moderne Welt, die ihr seid. Die Welt unterscheidet sich nicht von euch. Wenn ihr in euch hineinschaut, werdet ihr sehen, dass ihr ein Produkt der modernen Zivilisation seid.

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Unsere Welt, die wir sind, ist eine Welt des kultivierten Intellekts und des leeren Herzens. Wir kennen ein paar Tricks, technische und physische Tricks, aber wir sind keine kreativen Menschen. Wir machen Kinder, aber das ist nicht kreativ. Um kreativ zu sein, braucht es einen außergewöhnlichen inneren Reichtum. Und dieser Reichtum kann nur entstehen, wenn wir die Wahrheit verstehen und fähig sind, sie zu empfangen.

Jiddu Krishnamurti Handeln das immer richtig ist (Deutsche Übersetzung) YouTube

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