Der Anfang der Liebe

Der Anfang der Liebe

Es scheint mir von Anfang an sehr wichtig, dass Sie nicht nur erfahren, was der Sprecher zu sagen hat, sondern auch, wie Sie zuhören. Wenn Sie mit der Tendenz zuhören, aus dem Gesagten bestimmte Schlüsse zu ziehen, und es mit dem vergleichen, was Sie schon wissen, dann wird das, was der Redner zu sagen hat, lediglich eine Sache der Zustimmung oder Ablehnung, ein Gegenstand für verstandesmäßge Prüfung oder intellektuelles Amüsement.

Wenn wir daher während dieser Gespräche eine richtige Beziehung, eine richtige Kommunikation zwischen Ihnen und dem Sprecher herstellen können, dann haben wir vielleicht eine Chance, tief und mit Ernst in diese ganze komplexe Frage des Lebens einzudringen und zu erfahren, ob es für so stark konditionierte Menschen überhaupt möglich ist oder nicht, sich zu ändern, eine innere Revolution im eigenen Gemüt herbeizuführen. Darum geht es vor allem, nicht um eine orientalische Philosophie oder ein Denkkonzept, das wir uns vorstellen, das zu verschiedenen Schlussfolgerungen führt und alte Ideen durch neue ersetzt.

Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, wenn ich meine, dass es sehr wichtig ist, die Kunst des Zuhörens zu lernen. Wir hören nicht zu, und wenn wir es tun, dann durch einen Filter von Worten, Begriffen und Schlussfolgerungen, eingefärbt nach unserer eigenen Erfahrung. Dieser Filter hindert uns am Zuhören, dieser grossen und anscheinend ganz vernachläßigten Kunst: so innig, so vollständig, so eingehend zuzuhören, dass wir nicht nur in Kommunikation miteinander, sondern darüber hinaus in einer Art Kommunion sind, wie zwei Freunde, die sich aufrichtig und ernst um etwas bemühen. Kommunion ist etwas ganz anderes als Kommunikation.

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