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Zum Thema Alt-Neu

Frage Zum Thema AltNeu: Wenn ich Ihnen zuhöre, scheint alles klar und neu. Zu Hause setzt sich die alte, dumpfe Unruhe durch. Was ist mit mir los?

Krishnamurti: Was spielt sich eigentlich in unserem Leben ab?

Es gibt eine ständige Herausforderung und Antwort.

Das ist die Existenz, das ist das Leben, nicht wahr?

Ist das Leben nicht eine ständige Herausforderung und Antwort?

Die Herausforderung ist immer neu und die Antwort ist immer alt.

Ich habe dich gestern kennengelernt und du kommst heute zu mir, du bist anders, du bist modifiziert, du hast dich verändert, du bist neu; aber ich habe das Bild von dir, wie du gestern warst.

Das Neue ins Alte

Deshalb absorbiere ich das Neue im Alte.

Ich begegne dir nicht neu, sondern ich habe das Bild von dir von gestern, deshalb ist meine Reaktion auf die Herausforderung immer bedingt.

Wenn Sie mir zuhören, hören Sie für einen Moment auf, ein Brahmane, ein Christ, ein Angehöriger einer Kaste oder was auch immer, zu sein – Sie vergessen alles. Sie hören nur zu, sind ganz da und versuchen, etwas zu erfahren.

Sobald Sie Ihr tägliches Leben wieder aufnehmen, sind Sie Ihr altes Selbst – Sie sind zurück in Ihrem Job, Ihrer Kaste, Ihrem System, Ihrer Familie.

Mit anderen Worten: Das Neue wird immer vom Alten absorbiert, von den alten Gewohnheiten, Bräuchen, Ideen, Traditionen, Erinnerungen.

Niemals neu

Es gibt nie das Neue, denn man begegnet dem Neuen immer mit dem Alten.

Die Herausforderung ist neu, aber man begegnet ihr mit dem Alten.

Das Problem bei dieser Frage ist, wie man das Denken vom Alten befreit, um immer neu zu sein.

Wenn man eine Blume sieht, ein Gesicht, den Himmel, einen Baum, ein Lächeln, wie soll man dem neu begegnen?

Wie kommt es, dass wir ihnen nicht neu begegnen?

Warum absorbiert das Alte das Neue und verändert es; warum hört das Neue auf, wenn man nach Hause geht?

Die alte Antwort entspringt dem Denkern.

Ist der Denker nicht immer das Alte?

Weil das Denken auf der Vergangenheit beruht, ist es immer der Denker, der dem Neuen begegnet; dem Neuen wird mit der Erfahrung von gestern begegnet

Das Denken ist immer alt.

Wir kommen also auf eine andere Art und Weise auf dasselbe Problem zurück: Wie man den Geist von seinem Denker befreien?

Wie kann man das Gedächtnis auslöschen, nicht das faktische Gedächtnis, sondern das psychologische Gedächtnis, das aus einer Ansammlung von Erfahrung besteht?

Ohne Freiheit von den Rückständen früherer Erfahrungen kann es das Neue nicht aufgenommen werden.

Das Denken zu befreien, frei zu sein vom Denkprozess und so dem Neuen zu begegnen, ist mühsam, nicht wahr?

Alle unsere Überzeugungen, alle unsere Traditionen, alle unsere Erziehungsmethoden sind ein Folge von Nachahmung, Kopieren, Auswendiglernen, um das Reservoir der Erinnerung aufzubauen.

Dieses Gedächtnis reagiert ständig auf das Neue; die Reaktion dieses Gedächtnisses nennen wir Denken, und mit dieses Denken treffen wir auf das Neue.

Wie kann das Neu existieren?

Nur wenn es keine Rückstände des psychologischen Gedächtnisses gibt, kann es Neuheit geben.

Es gibt Rückstände, wenn die Erfahrung nicht abgeschlossen ist, wenn das Alte das Neue nicht als solches aufnehmen, verarbeiten kann.

Das ist der Fall, wenn die Erfahrung nicht unvollständig verstanden ist.

Wenn die Erfahrung komplett abgeschlossen ist, ist auch das Verständnis komplett und es gibt keine Rückstände,

Dann manifestiert sich die Schönheit des Lebens, dann manifestiert sich die Liebe.

Liebe ist ohne Rückstand.

Liebe ist nicht Erfahrung.

Liebe ist ein Zustand des Seins.

Liebe ist ewig neu.

Deshalb ist unser Problem: Kann man dem Neuen immerzu begegnen?

Sicherlich kann man das.

Das ist nicht theoretisch

Das ist nicht unmöglich.

Neu zu sein ist kreativ, und kreativ zu sein bedeutet, glücklich zu sein.

Ein glücklicher Mensch kümmert sich nicht darum, ob er reich oder arm ist, er kümmert sich nicht darum, zu welcher Gesellschaftsschicht er gehört, zu welcher Kaste oder zu welchem Land.

Er kennt keine Führer, keine Götter, keine Tempel, keine Kirchen und deshalb auch keinen Streit, keine Feindschaft.

Das ist doch offensichtlich der praktischste Weg, um unsere Schwierigkeiten in dieser gegenwärtigen chaotischenWelt zu lösen, nicht wahr?

Solange die Erfahrung nicht komplett verstanden wird, gibt es Überbleibsel von dem, was alt ist, von gestern, von dem, was vergangen ist.

Die Vergangenheit absorbiert das Neue ständig und zerstört es dadurch. Erst wenn der Geist frei vom Alten ist, begegnet er allem neu, und darin liegt Freude.

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