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Das grundlegende Buch

Krishnamurti hat über 75 Bücher geschrieben, aber die meisten sind Sammlungen von Vorträgen. Für einen Anfänger ist ein Buch, das kohärent und leserfreundlich gestaltet ist und das gesamte Spektrum seines Denkens abdeckt, die ideale Lösung.

Empfehlung: „Freiheit vom Bekannten“ (1969) / „Freedom from the Known“ (1969)

Dieses Buch wurde von Mary Lutyens, einer engen Vertrauten, speziell als umfassender Überblick herausgegeben. Es ist strukturiert, kohärent und weniger repetitiv als die Lektüre der rohen Transkripte der Vorträge. Es behandelt alle wichtigen Themen: Angst, Freude, Tod, Liebe und Meditation.

Kapitel 1: Die Wurzeln psychologischer Konflikte

Das Kernproblem: Menschen sind in einem Kreislauf aus Konflikten, Leid und Verwirrung gefangen. Wir versuchen, dieses Problem mit externen Mitteln (Systemen, Gurus, Politik) zu lösen, aber der Konflikt bleibt bestehen.

Die zentrale These: Der Beobachter (der Denker) ist nicht vom Beobachteten (dem Gedanken) getrennt. Wir schaffen eine Trennung zwischen „mir” und meiner Erfahrung (Wut, Angst usw.). Diese Trennung ist die Wurzel des Konflikts.

Die Barriere: Wir sind durch unsere Kultur, unsere Bildung und unsere Vergangenheit geprägt. Wir sind „Zweithand”-Menschen, die von Ideen und Überzeugungen leben.

Kapitel 2: Die Natur des Denkens

Das Denken ist materiell: K erklärt, dass das Denken ein mechanischer Prozess ist, der aus der Erinnerung entsteht. Es ist begrenzt, weil alles Wissen begrenzt ist.

Zeit als Leiden: Das Denken schafft „psychologische Zeit“ – die Vorstellung, dass „ich glücklich werden werde“ oder „ich mich ändern werde“. Diese Verschiebung des Lebens ist eine Hauptursache für Leiden.

Der Denker: Das Denken schafft den „Denker“, um sich selbst Stabilität zu verleihen. Aber der Denker ist nur ein Bündel von Erinnerungen.

Kapitel 3: Freiheit vom Bekannten

Die Sicherheit des Bekannten: Der Verstand klammert sich an das Bekannte, weil es ihm Sicherheit gibt. Das Bekannte ist die Vergangenheit – unsere Gewohnheiten, Beziehungen und Dogmen.

Die Gefahr des Unbekannten: Wir fürchten das Unbekannte, also wiederholen wir immer wieder die bekannten Muster.

Das Sterben für die Vergangenheit: Wahre Freiheit ist kein Erwerb, sondern eine Verneinung. Es ist die Fähigkeit, sofort für die Vergangenheit zu sterben, damit der Verstand frisch und jung bleibt.

Kapitel 4: Autorität und Intelligenz

Kein Guru: K argumentiert, dass das Folgen eines anderen (Guru, Priester, Philosophie) die Intelligenz zerstört. Folgen bedeutet, dass man Angst hat, allein zu stehen.

Selbsterkenntnis: Intelligenz ist nicht intellektuelle Fähigkeit, sondern das Erwachen von Sensibilität und Selbsterkenntnis. Ohne sich selbst zu verstehen, ist bloßer Intellekt destruktiv.

Das Individuum und die Masse: Du bist die Welt. Das Bewusstsein des Individuums enthält die Verwirrung der gesamten Menschheit. Um die Welt zu verändern, musst du dich selbst verändern.

Kapitel 5: Das Selbst

Das Ego: Das „Ich“ ist eine Bewegung egozentrischen Handelns. Es schafft eine Trennung zwischen sich selbst und anderen, was zu Isolation und Leid führt.

Ehrgeiz: Der Wunsch, jemand zu sein, etwas zu erreichen, erfolgreich zu sein, stärkt das Ego. K. behauptet, dass Ehrgeiz unmoralisch ist, weil er Konkurrenzdenken und Rücksichtslosigkeit hervorruft.

Ruhm: Ruhm und Anerkennung sind hässlich, weil sie das Selbstbild verstärken.

Kapitel 6: Angst und Vergnügen

Die Struktur der Angst: Angst entsteht aus Gedanken. Wir denken über eine Gefahr in der Zukunft (psychologische Zeit) nach, und dieser Gedanke erzeugt Angst.

Vergnügen: Vergnügen und Angst sind zwei Seiten derselben Medaille. Wir streben nach Vergnügen, und wenn es vereitelt wird, empfinden wir Angst oder Schmerz.

Analyse: Angst zu analysieren, um sie loszuwerden, ist Zeitverschwendung, denn der Analysierende ist die Angst. Nur Beobachtung ohne Beobachter kann die Angst beenden.

Kapitel 7: Gewalt und Aggression

Die Natur der Gewalt: K definiert Gewalt nicht nur als körperliche Gewalt, sondern auch als Wettbewerbsdenken, Ehrgeiz, Vergleichen und Konformität.

Gewaltlosigkeit: „Der Versuch, gewaltlos zu sein” ist immer noch eine Form von Gewalt, da es sich um einen Willensakt handelt, der den Geist zwingt.

Lösung: Um Gewalt zu beenden, darf man sie weder unterdrücken noch rechtfertigen. Man muss sie in dem Moment, in dem sie auftritt, ohne Urteil beobachten.

Kapitel 8: Liebe, Sex und Mitgefühl

Liebe ist keine Erinnerung: Oft verwechseln wir Anhaftung, Besitzgier und sexuelle Befriedigung mit Liebe. K argumentiert, dass Liebe kein Gefühl oder eine Emotion ist, sondern so stark wie der Tod.

Sex: Wir nutzen Sex, um dem „Ich“, unserer Einsamkeit, zu entfliehen. Aber eine echte Beziehung ist Gemeinschaft, nicht nur sinnliche Befriedigung.

Mitgefühl: Mitgefühl ist nicht Sympathie oder Nächstenliebe. Es ist die Blüte der Freiheit. Nur wenn man kein „Selbst“ hat, kann man lieben.

Kapitel 9: Der Verstand und das Herz

Integration: Wir trennen normalerweise den Intellekt (Verstand) von den Emotionen (Herz). K besteht auf vollständiger Integration – mit deinem ganzen Wesen zu handeln, nicht nur mit einem Teil davon.

Sensibilität: Um das Leben zu verstehen, muss man sehr sensibel für die Natur, für Schönheit und für Trauer sein.

Die Verleugnung des „Ichs”: Der Verstand kann nicht frei sein, wenn er mit sich selbst beschäftigt ist.

Kapitel 10: Meditation

Meditation ist nicht zu praktizieren: K lehnt Meditationssysteme (Wiederholung von Mantras, Visualisierung) ab. Diese hypnotisieren lediglich den Geist.

Der leere Geist: Wahre Meditation ist das Leeren des Geistes vom „Ich“. Es ist ein Zustand wacher Stille, in dem das „Bekannte“ nicht wirkt.

Das Unermessliche: In diesem Zustand der Stille gibt es etwas, das über alle Maßstäbe hinausgeht – etwas Heiliges.


Empfehlung: „Die erste und letzte Freiheit“ / „The First and Last Freedom

Dieses Buch ist umfassender als „Freiheit vom Bekannten“. Es enthält eine Reihe einführender Essays, gefolgt von einem sehr umfangreichen Frage-und-Antwort-Teil, in dem K. auf spezifische menschliche Probleme eingeht.

Kapitel 1: Über die Freiheit

K definiert Freiheit nicht als „die Freiheit, zu tun, was wir wollen“, sondern als einen Geisteszustand, der frei von Konditionierung, Angst und Ehrgeiz ist. Es ist die höchste Form der Disziplin.

Kapitel 2: Wonach suchen wir?

Wir alle sind auf der Suche nach Glück, Sicherheit oder Gott. Aber K fragt: Warum suchen wir? Weil wir unzufrieden sind mit dem, was wir sind. Die Suche ist eine Flucht vor dem, „was ist“.

Kapitel 3: Individuum und Gesellschaft

Es besteht ein ständiger Konflikt zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. K argumentiert, dass die Gesellschaft auf Gier, Neid und Macht aufgebaut ist. Weil wir gierig sind, bauen wir eine gierige Gesellschaft auf. Man kann die Gesellschaft nicht verändern, ohne sich selbst zu verändern.

Kapitel 4: Angst

Ähnlich wie in dem anderen Buch („Freiheit vom Bekannten“) beschäftigt sich K mit der Angst. Er betont, dass wir die Angst unterdrücken oder versuchen, sie zu rationalisieren, aber wir sehen sie nie direkt an. Freiheit entsteht nur, wenn wir dem „Drachen“ der Angst begegnen und bei ihm bleiben.

Kapitel 5: Langeweile und Interesse

Langeweile entsteht, wenn wir in unserem eigenen, sich wiederholenden Leben „eingeschlossen“ sind. Wir versuchen, der Langeweile durch Unterhaltung (Bücher, Filme, Religion) zu entkommen. Wahres Interesse ist eine Intensität der Aufmerksamkeit, bei der es kein „Zentrum“ (das Ego) gibt, das sich langweilt.

Kapitel 6: Konformität und Rebellion

Die meisten Menschen passen sich der Gesellschaft oder der Tradition an. Andere „rebellieren“, indem sie aussteigen oder sich einer anderen Gruppe anschließen (wie die Hippies in den 60er Jahren). K sagt, dass beides Formen der Konditionierung sind. Wahre Freiheit besteht darin, ein Licht für sich selbst zu sein und sich nicht anzupassen oder zu reagieren.

Kapitel 7: Selbsterkenntnis

Ohne Selbsterkenntnis – die Kenntnis der eigenen Motive, Ängste und Wünsche – hat kein spirituelles Buch einen Wert. Selbsterkenntnis ist nichts Intellektuelles; sie ist die Beobachtung von sich selbst im Spiegel der Beziehung.

Kapitel 8: Das Ende des Kummers

Der Kummer betrifft nicht nur den persönlichen Verlust, er ist der Kummer der Menschheit. Normalerweise versuchen wir, dem Kummer zu entkommen oder ihn zu rationalisieren. K weist darauf hin, dass der Kummer nur dann ein Ende haben kann, wenn der Geist völlig ruhig und unberührt von der Zeit ist.

Teil II: Fragen und Antworten (Ausgewählte Highlights)

(Dieser Abschnitt nimmt einen großen Teil des Buche sein und behandelt sehr praktische Themen…mehr).

Über Gott: K argumentiert, dass man Gott nicht durch irgendjemand anderen, durch ein Buch oder durch ein Symbol finden kann. Die Wahrheit ist ein wegloses Land. Gott ist das Unbekannte, und das Bekannte kann nicht zum Unbekannten führen.

Über den Glauben: Der Glaube trennt die Menschen (Christen vs. Hindus). K drängt darauf, den Glauben aufzugeben, damit man klar sehen kann.

Über Sex: K erklärt, dass Sex zu einem Problem wird, weil der Rest unseres Lebens eine Plackerei, ein Kampf oder eine Routine ist. Wir benutzen Sex als Befreiung oder als Möglichkeit, uns selbst zu vergessen. Wäre das Leben voller kreativer Energie, wäre Sex nicht die dominierende Obsession, die er ist.

Über Liebe und Beziehung: Die Beziehung ist ein Spiegel. Wir benutzen Menschen für unsere psychologischen Bedürfnisse, das ist Ausbeutung. Liebe ist nur möglich, wenn es keine Anhaftung gibt und kein „Ich“, das sich selbst verteidigt.

Über den Tod: Wir haben Angst vor dem Tod, weil wir an das Bekannte (unseren Körper, unseren Besitz, unser Ego) gebunden sind. K schlägt vor, dass man jeden Tag der Vergangenheit sterben muss, so dass der Tod (das Ende des Bekannten) kein beängstigendes Ende, sondern eine natürliche Vollendung ist


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