Respektabilität

Respektabilität – Er versicherte, dass er nicht gierig sei, mit wenig zufrieden, und dass das Leben es gut mit ihm gemeint habe. Auch wenn er unter den üblichen Leiden des menschlichen Daseins leide. Er war ein ruhiger, unauffälliger Mensch. Er hoffte, dass man ihn in seinem einfachen Lebensstil nicht stören würde. Er sagte, er sei nicht ehrgeizig, aber er bete zu Gott für das, was er besaß. Er betete für seine Familie und für den reibungslosen Ablauf seines Lebens. Er war dankbar, dass er nicht in Probleme und Konflikte verwickelt war, wie es bei seinen Freunden und Verwandten der Fall war. Der Gedanke, dass er hoch angesehen war und zur Elite gehörte, machte ihn glücklich.

Er fühlte sich nicht zu anderen Frauen hingezogen und führte ein harmonisches Familienleben, obwohl es die üblichen Streitigkeiten zwischen Mann und Frau gab. Er hatte keine besonderen Laster, betete viel und verehrte Gott. „Was ist los mit mir?“, fragte er, „ich habe doch keine Probleme“. Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern fuhr lächelnd, in einem etwas selbstzufriedenen, aber ein wenig traurigen Ton fort, von seiner Vergangenheit zu erzählen. Er sprach davon, was er tat, und von der Erziehung, die er seinen Kindern gab. Er fügte hinzu, dass er nicht großzügig und nicht geizig sei, sondern hier und da etwas gebe. Für ihn stand fest, dass jeder kämpfen müsse, um seinen Platz in der Welt zu finden.

Respektabilität

Respektabilität ist ein Fluch; sie ist ein „Übel“, das Geist und Herz zerfrisst. Sie schleicht sich unmerklich ein und zerstört die Liebe. Respektabel zu sein bedeutet, sich erfolgreich zu fühlen und sich eine Position in der Welt zu erarbeiten. Es bedeutet auch, um sich herum eine Art Sicherheit aufzubauen, die mit Geld, Macht, Erfolg, Können oder Tugend verbunden ist. Diese exklusive Sicherheit fördert Hass und Feindseligkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen, die die Gesellschaft ausmachen.

Die Respektablen sind immer die Elite der Gesellschaft, und als solche sind sie oft die Ursache von Streit und Elend. Sie sind jedoch wie die Verachteten immer den Umständen ausgeliefert. Deshalb sind sie in der Defensive, ängstlich und misstrauisch. Da ihr Herz voller Angst ist, steckt in ihrer Rechtschaffenheit viel Groll; ihre Tugend und Frömmigkeit dienen der Verteidigung. Sie sind wie eine Trommel, hohl, aber laut, wenn man sie schlägt. Die Rechtschaffenen können sich nie der Wirklichkeit öffnen, denn sie sind genauso wie die Verachteten gefangen in ihrem Streben nach Selbstvervollkommnung. Das Glück bleibt ihnen versagt, weil sie der Wahrheit ausweichen.

„Nicht gierig“ und „nicht großzügig“ zu sein ist fast das Gleiche. Beides ist ein in sich geschlossener Mechanismus, eine andere Form der Selbstbezogenheit. Um gierig zu sein, muss man aktiv und extrovertiert sein; man muss sich anstrengen, konkurrieren und aggressiv sein. Wenn man diesen Antrieb nicht hat, ist man nicht frei von Gier, sondern in sich verschlossen. Aus sich herauszugeben bedeutet eine Störung, einen schmerzhaften Kampf. Also wird die Selbstbezogenheit durch das Wort „nicht gierig“ verschleiert. Großzügigkeit mit der Hand ist eine Sache, aber Großzügigkeit im Herzen ist eine andere. Großzügig zu sein mit der Hand, ist eine recht einfache Angelegenheit; sie hängt von kulturellen Gepflogenheiten usw. ab. Großmütigkeit im Herzen ist jedoch von weitaus größerer Bedeutung und erfordert ein erweitertes Bewusstsein und Verständnis.

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Nicht großzügig zu sein ist wiederum ein angenehmer und blinder Zustand der Selbstversunkenheit, in der es keine Öffnung nach außen gibt. Dieser selbstbezogene Zustand entwickelt seine eigenen Handlungsweisen, wie die eines Träumers, aber sie wecken einen nie auf. Der Prozess des Erwachens ist schmerzhaft. Egal ob jung oder alt, will man lieber allein-gelassen werden, um anständig zu werden. So will man auch als hoch angesehene Person sterben.

Wie die Großzügigkeit des Herzens ist auch die Großzügigkeit der Hand eine nach außen gerichtete Geste. Jedoch ist sie oft schmerzhaft, trügerisch und selbst entlarvend. Die Großzügigkeit der Hand ist leicht zu erlangen. Die Großzügigkeit des Herzens ist jedoch keine Sache, die man kultivieren kann. Sie hängt von der Freiheit von jeglicher Anreicherung ab. Es gibt keine Großzügigkeit des Herzens, solange es eine selbst-zentrierte Unterscheidung von referentiellem Gedächtnis gibt. Ein „Ich“ und ein „Mein“ verhindern Großzügigkeit im Herzen.

Respektabilität
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